Personenverzeichnis Kupferkind: Ein Entwurf/ echt unecht oder war es andersrum?/ der kleine Egoist/ das bessere Ich/ ein hirntotes Liebewesen/ die, die das schreibt/ die, die so tut, als ob sie das schreibt/ die, die nicht weiß, aber gerne wissen würde/ die- ach, lest doch selbst! Karla Kolumna: Tochter und Einzelkind der wahrhaftigen Karla Kolumna, kurz KK II. Ausbildung zur Professional-FAQ-Konzeptionistin bei Kürthy&Co. GmbH. Unbezahlt. Weitere sprechen für sich. In Posts. Manchmal.

30 Juni 2006

Wir werden jeden Tag überhäuft mit Zahlen oder Fakten. Aber wie viele brauchen wir wirklich?

Eine wahrlich überladene Woche: Ich kann mich nicht mal mehr erinnern, was ich am Montag gemacht habe. Aber dienstags eine halbe Stunde bei Gewitter im Auto auf einem Parkplatz neben einem Bagger-, künstlichen oder echten See gesessen und Banenkuchen gegessen. Danach klärte sich doch noch der Himmel auf und ich war dreimal schwimmen, grillen und wieder Kuchen, neben Banane auch Zitrone und Schokolade, essen bis abends. Nächtliches Telefonat und Kurzbesuch.
Mittwochs Abischerz. UNSER Abischerz - er war natürlich viel besser, toller und wunderbarer als alle anderen Abischerze. Kupferkind räuspert sich und seine Nase juckt. Abischerzhighlights: Mit Deutschland-Hawaii-Kette um den Hals im Schulhaus und ums Schulhaus herum kreischen, Refrendar mit Diätjoghurt verklebter Frisur im Müllsack und Musiklehrer mit "Highway to Hell"-Bühnenperformance. Abends Unternehmungen mit amerikanischer Austauschschülerin meiner Schwester und anschließende Grillparty - zum dritten mal Würstchen inerhalb 48 Stunden.
Donnerstags ab 11 bis 16.54 Uhr in Strasbourg. Als Begleitung der Amerikaner. Die sechsundsechzig Meter hohe Plattform des Münsters bestiegen, wobei am Eingang wie auch am Ausgang der unendlichen Wendeltreppe spontane Magenentleerungen den Weg säumten. Nach anregendem Erlebnis Flammkuchen verspeißt und verbotene Läden besucht.
Et aujourdhui: Ausgeschlafen. Beim Frühstück geschenkte Brigitte gelesen: "Könnte es nicht sein, dass 20000 Menschen, die eine Woche Zeit hätten, sich über Hoffnungen, Wünsche und Ideale Gedanken zumachen, doch noch den einen oder anderen Lebenstraum zutage fördern würden?" (s. Brigitte, Ausgabe 13, Dossier: Was brauchen wir zum Leben? - Visionen, S.146)

Anhang: Titel ist ein Zitat aus der "Brigitte", Nr.13, S. 144.

25 Juni 2006

Waiting for the duke

Habe einen Sommer wie im "The Great Gatsby" von F. Scott Fitzgerald, höre Moulin Rouge im Hintergrund, sitze nur drei Meter entfernt von einer nie, wirklich nie frühstückenden Amerikanerin, bringe es nicht fertig deine Gedanken zu formulieren, schnappe nach Luft, träume vom Abiballkleid, warte aufs Mittagessen und höre auf vergeblich etwas zu sagen, was keine Worte findet.

20 Juni 2006

Heute ist der 20. Juni 2006.

Die Menscheit trägt in ihr Journal ein: Himmel abgeschafft.


Lasst uns euphorisch sein, Kirschkernweitspuckwettbewerbe initiieren, die Welt zu Gast bei Freunden sein, selbst Freund sein oder Gast oder beides, "Wer hat Angst vorm hirntoten Mann" im Plantschbecken spielen, Knittelverse reimen und zwischendurch ganz laut "pfui, Faust - pfui, Goethe" brüllen, wahnsinnig werden, Reich-Ranicki-Stimme imitieren, Google verteufeln (Mephisto, wo bist du nur, wenn man dich braucht?); nicht lesen, nicht denken, nicht schreiben - still sein, wenigstens drei Tage; auf dem Killesberg ins Exil gehen, "Die Neue 107.7"-Sendung mit Kupferkind als Moderator auf die Beine stellen. Denn schließlich heißt es: Zehn vor sechs mit Kupferkind, das heute seine letzte Abiprüfung hatte!

Sagredo: dreht das Fernrohr weg Willst du aufhören, wie ein Narr herumzubrüllen?
Kupferkind: Verdammt nochmal, Nein! K.@www.weg.de

Und weil es heute so schön ist und Brecht zwar einen Baalischen Charakter gehabt haben soll, aber toll dichten kann (fast so schon wie Erich Frieds "was es ist", meine liebe eta) Folgendes:

Erinnerungen an Marie A.
von Bertolt Brecht

1
An jenem Tag im blauen Mond September
Still unter einem jungen Pflaumenbaum
Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe
In meinem Arm wie einen holden Traum.
Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben
Und als ich aufsah, war sie nimmer da.
2
Seit jenem Tag sind viele, viele Monde
Geschwommen still hinunter und vorbei
Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen
Und fragst du mich, was mit der Liebe sei?
So sag ich dir: Ich kann mich nicht erinnern.
Und doch, gewiß, ich weiß schon, was du meinst
Doch ihr Gesicht, das weiß ich wirklich nimmer
Ich weiß nur mehr: Ich küsste es dereinst.
3
Und auch den Kuss, ich hätt' ihn längst vergessen
Wenn nicht die Wolke da gewesen wär
Die weiß ich noch und werd ich immer wissen
Sie war sehr weiß und kam von oben her.
Die Pflaumenbäume blühn vielleicht noch immer
Und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind
Doch jene Wolke blühte nur Minuten
Und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.


Anhang: Ich danke der ekd, Sagredo (für das kurze Intermezzo, Zitat stibitzt aus "Leben des Galileo Galilei" Von Bertolt Brecht, Bild 3, S. 34 in der Suhrkamp-Ausgabe), dem Oldenbourgverlag, meinen Eltern für ihre Nerven, der Stadtbücherei für eine maximale Buchausleihgrenze von 50 Büchern, eta: für alles.
Ich danke ab. Zumindest der Schule.

04 Juni 2006

Vom Lispeln, Fresserchen und den Beißerchen

Gestern war ich, vor der Seelsorge (Erklärungsbedarf? War dort, weil da mein Pfarrer Zeit hatte sich meinen Abi-Präsentationsprüfungsthemen zu widmen und Witzchen über Jesus am Kreuz als Werbung für Schmerzmittel zu machen.)
[Gestern war ich, vor der Seelsorge] bei meiner Kieferorthopädin. Meine KFO-in (kurz für KieferOrthoPädin) wacht sozusagen über meine Fresserchen und Beißerchen. Zum Bogen, Ketten und Lay-Backs abknipsen und reinschrauben ist bei mir eine Zahnarztgehilfin zuständig. Am KFO-Checkin sitzt dann eine weitere Zahnarzthelferin, die den vollen Terminplan der KFO-inschen-Mannschaft überwacht und genervt mit den Augen rollt, wenn ich meine Karte mit den Terminen vergessen habe. (was des öfteren vorkommt... *schäm*)Seitdem habe ich in meinem Geldbeutel diese blöde Praxiskarte mit allen KFO-Terminen dabei. Vermutlich rollt die Frau am Checkin nämlich noch viel mehr mit den Augen, wenn ich bei ihr anrufe um mich nach meinem Termin zu erkundigen oder ihn zu ändern. Aber das erlebe ich zum Glück nicht visuell. Punktum: Gestern war es wieder so weit. Meine KFO-in begutachtete meine Beißerchen und verschrieb mir eine neue Kette. Das war wie gewöhnlich weniger angenehm. Leider spannt jetzt noch immer alles und meine Zahnnerven, besonders die der unteren Eckzähne, pochen im Sekundentakt.
Erfreulich ist jedoch, dass ich vor einer halben Stunde "Zahnspange Spannung Schmerzen" googelte und dabei auf einen Feste-Zahnspangen-Blog stieß. Für Betroffene sehr interessant und aufbauend. Für Tom-Cruise-Zähne(nach seiner Zahnspangenbehandlung)-Haber vermutlich erschreckend. Bloggerin Kathrin stellt in ihrem Blog nämlich monatlich an die sechs Bilder ihrer verdrahteten Beißerchen ins Net. Mal "Klappe-auf, Kamera rein und abdrücken", dann "Auf-schiefen-Eckzahn-zoom und klick" oder Frontal, vorher, nachher, hinterher, mittendrin, dazwischen, mit Brackets und Metalldraht oder weichem, weißem Bogen oder ohne Bogen oder ohne alles. Denn Kathrin hat nach nein Monaten Zahnspangen-Blog auch einen Tom-Cruise-Zahnbogen und freut sich nun auf Currywurst und Milchbrötchen. Das alles nachzulesen bei: http://myblog.de/kathringoesbraces/ So einen Kult-Zähne-Blog wollte ich jetzt fast auch schon starten, aber es spricht doch einiges dagegen: 1. Blogleser kennen nicht den Ur-Ur-Zustand meines Gebisses. Das echte "vorher"-Bild fehlt also. 2. Ich habe keine Lust in meinen schmerzenden Mundraum eine Kamera zu pressen um eine Oberkieferdeatailaufnahme zu machen. 3. Sich von fremden Leuten in den Mund glotzen lassen, der im Augenblick enstellt ist, muss ein sehr unangenhemes Gefühl sein. Daher müsst ihr euch mit meinen Umschreibungen, der Dramatisierung meiner Lage und der Beschönigung meines Zustands zufrieden geben. Wenn auch die Kieferoperation in ein, zwei, drei ("KFO-in, wann war das nochmal?" "Das kann ich leider noch nicht genau sagen. - Der Theodor, derTheo...") Jahren hinter mich gebracht habe und mein Kopf abgeschwollen, das wilde Metall- und aus durchsichtigem Kunsstoff bestehende Krimskrams entfernt und meine Mundhöhle freigeschaufelt wurde, stelle ich vielleicht ein Foto online. Vielleicht sogar das Bild, auf dem einem der Mund mit einem durchsichtigem Plastikteil aufgerissen wird. Die Betonung liegt auf vielleicht. Dabei hatte ich nämlich immer den größten Spaß.
Anmerkungen: Entschuldigt meine Klammerkonstruktionen.