Personenverzeichnis Kupferkind: Ein Entwurf/ echt unecht oder war es andersrum?/ der kleine Egoist/ das bessere Ich/ ein hirntotes Liebewesen/ die, die das schreibt/ die, die so tut, als ob sie das schreibt/ die, die nicht weiß, aber gerne wissen würde/ die- ach, lest doch selbst! Karla Kolumna: Tochter und Einzelkind der wahrhaftigen Karla Kolumna, kurz KK II. Ausbildung zur Professional-FAQ-Konzeptionistin bei Kürthy&Co. GmbH. Unbezahlt. Weitere sprechen für sich. In Posts. Manchmal.

29 November 2006

Irrfahrten

Spannende Geschichten. Athene, ich flüstere sie dir. Poseidon, komme und schnappe mich. Das Leben ist lieb zu mir. Gelegentlich trete ich in eine Distel und verfluche die Wege durch die weißstrahlenden Dünen.
Weht der Wind, so soge ich ihn zwischen meine Mundwinkel bis mein Kopf zerbersten will. Poseidon, wage es doch. Ich kann mir keine einzige Rippe brechen. Und ich sage dir: Die Sonne steckt auch im Schattenbild. Ich bin eine Prinzin.

Referenzen: Ringvorlesung LKM vom 28.11.06. Die Heimkehrer.

"Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz." (Die Bibel,Matthäus 5.6, 19-21 - Darf man mit einem Textmarker Bibelstellen anstreichen? Auch in der Konfirmationsbibel?)

19 November 2006

Postfach: Glückwünsche

Betreff: Kupferkinds Blog wird heute ein Jahr alt!

1. Glückwunsch vom Kupferkind höchstpersönlich.
Reicht ihm würdevoll die Hand, macht einen Knicks und überreicht einen Gutschein für "einen Kuss von der Muse" und schließt mit einem Zitat: "Quine das Schwein. Killte Quilty." ("Lolita" von Vladimir Nobokov, S.50 in der Rororo-Ausgabe aus der Stadtbücherei Konstanz).

16 November 2006

An Ildiko

Meine WG in drei Worten: heulend, schluchzend, zu Tode betrübt. Der männliche Mitbewohner: abwesend. Meine einzige Unterstützung: Eine XXL-Packung Taschentücher. Meine Frage: Sind alle Männer so?

14 November 2006

Und ein Knie stößt ans Tischbein

Ein Laserstrahl huscht wie eine verglühende Sternschnuppe über die Kreideschrift.
Erlischt.

Eine Stimme seufzt Flugzeuge in den Himmel,
brummt Kreise und Kondensstreifen in die Luft.

Die Gedanken springen aus dem Fenster;
tanzen über die bunten Glaspyramiden des Daches,
rutschen die ockerfarbenen Blechrampen hinunter,
stürmen, die Hand auf dem Geländer, die eckigen Betonstufen hinauf

auf den Turm.
Erblicken mit traumverschleierten Augen
Flugzeuge am Himmel -

ein Seufzen weit weg.


Dein Kopf singt
während der Rücken gegen die Holzbank drückt.
Der Wind stöbert durch das übrige Laub.

Bei dir ist es windstill. Kein Hauch. Nur ein lichtes Stöhnen.

Die Fensterfassade spannt die Welt vor dir auf.
Sie ruft dir zu.
Doch noch während du,
ein Reisender? - ,
wachsam lauschst,
deine bloße Stirn an die Scheibe schlägt;
bricht.



Dienstag, Entwicklungspsychologie 14.30 bis 16.00 Uhr, A 702

13 November 2006


"Da kenne ich Leute, die leben nur, um Geld zu verdienen; und das Geld verdienen sie, um leben zu können; und leben tun sie wiederum, um Geld zu verdienen. Ein Witz. Ich will aus meinem Dasein nicht einen Witz machen."

Ein Zitat von Max Frisch (1911-1991), entdeckt in der Zürcher Ausstellung 'Brotlos? Vom Schreiben und vom Geld'

09 November 2006

Tagesthemen

Ein dunkler Laborraum C109, heute morgen schon genutzt für Experimente zur Personenwahrnehmung, im Erdgeschoss der Universität Konstanz. Keine Fenster. In der Mitte des Eingangbereichs vor dem schmalen Flur zu den einzelnen Untersuchungkabinen steht ein gelb angestrichener Tisch. Dahinter ein Stuhl. Rechts eine 50x60 cam große Tafel. Vor dem Tisch auf dem Flur stehen zwölf Studenten, einer heißt Paul und beantwortet alle Fragen des unruhigen Soziologiestudentens mit der Kamera. Der Verwaltungswissenschaftler schiebt die Scheinwerfer zwischen den berechneten Schnittpunkten eines auf den Teppich eingezeichneten Koordinatensystems (eine Idee des engagierten Mathematikstudenten im fünften Semester) vor und zurück. Langsam sammeln sich die zwölf hinter dem Laptop auf dem die Kameraaufzeichnungen übertragen werden. Die rechte Tür öffnet sich: Ein Statstikprofessor tritt herein. Im Aussehen ähnlich dem Hilfe-Professors bei Microsoft Word. Äußerst liebenswert.
Ein zufriedenes Lächeln huscht über seine Lippen als sein Blick auf den Teppichboden fällt. "Welch ein Hinge!", stößt er erfreut hervor und setzt sich auf den Stuhl hinter dem gelben Tisch. Es wird still. Drei, zwei, eins -

ON AIR - schreibt der Statistikprofessor an die Tafel. Die Studenten summen dazu im Hintergrund eine undefinierbare Melodie. "Es ist 8.30 Uhr.", ruft eine vergessene Versuchsperson aus einer abgeschlossenen Untersuchungskabine nebenan.
Der Professor räuspert sich.

"Meine Damen und Herren,
es ist 8.30 Uhr, wir werfen später einen kurzen Blick auf die Übungsaufgaben im Statistik-Skript, aber zunächst die Tagesthemen - ist das okay?"
Die zwölf Studenten nicken, was Sie nicht sehen könnnen, da die Kamera auf den etwas zerzausten Kopf des Professors zoomt.
"Meine Damen und Herren, die Tagesthemen."
Er startet den Beamer, eine Powerpointpräsentation. Hellblauer Hintergrund.

"Aktuell verweilen Kupferkind und Mitstudenten noch im Tiefschlaf, da gestern abend ab 20.30 Uhr die erste WG-Party, konkret: das gemeinsame Vorglühen zur WiWi-Uniparty stattfand."
Er schreibt an die Tafel die Gleichung: WiWi = Wirtschafts+wissenschaften.
"Wenn wir das Essverhalten in der Absolutskala festhalten, das ist okay?" - Die Studenten nicken und Sie sehen es nicht. - "erhalten wir eine Sortierte Liste mit fünfundreißig Personen, deren x-Wert von ein Stück Tiramisu bis drei Schokomuffins, drei Dipvarianten und zwei Schüsseln Chips reicht. Eine Häufigkeitsverteilung gibt Aufschluss darüber, dass fast alle Gäste und Gastgeber bis 11 Uhr zwischen Kupferkindszimmer und Küche flanierten, das wunderschöne Dämmerlicht der Teelichter und mit orientalischen Tüchern überhangenen Schreibtischlampe bewunderten und den Wort-pro-Minute-Anteil in die Höhe trieben. Danach verwaisten zwei Gäste und ein Gastgeber in informationsaustauschanregender Stimmung in Kupferkindsgemach und redeten die Zeit bis kurz nach drei kurz und klein. Es ist 8.32 Uhr, sie schlafen noch immer."
Der Professor wirft einen Blick über seine Brille, wischt die Kreideweißen Finger an der schwarzen Hose und fügt hinzu: "Ist das okay, meine Damen und Herren?"
Die vergessene Versuchsperson nickt in ihrem Kämmerchen, was weder Sie noch der Professor sehen können.

"Akut: Das Kupferkind erkennt in der Vorlesung Allgemeine Psychologie: Motivation den eigenen Zustand wieder. Statt sich in der präaktionalen oder gar aktionalen Phase des Rubikon-Modells zu befinden, verweilt es bisweilen immer wieder in der prädezisionalen Phase, was, meine Damen und Herren, der Hauptgrund für Kupferkinds ungewisse Zukunftsperspektive ist und wohl der Ursprung der anhaltenden Zermürbung. Die Fachschaft rät an Wochenenden oder Weihnachtsferien dringend zu einem bewussten Verweilen in der Prädezisionalen Phase, auch Abwägende Bewusstseinlage genannt, um Alternativen und Perspektiven in Einklang zu bringen.

Ansonsten stetige Werte: viel zu lesen, viel zu rechnen, ernsthaften Informationsstau nach Stuttgart, Bochum, Zürich und wo die netten Leute sonst noch wohnen.
Ist das okay, meine Damen und Herren? - Nein, ist es nicht, aber das Kupferkind lacht trotzdem. Während der Vorlesung und außerhalb. Manchmal ein wenig zu laut, aber in Stuttgart hört man das ja sowieso nicht."

Er schreibt an die Tafel: SENDEZEIT -> NULL.
Der Bildschirm wird schwarz. Aber das sehen nur Sie.



Anhang: Ich würde euch jetzt gerne erklären, was ein Hinge ist, aber ehrlich gesagt, kann ich das ohne mein Statistik-Skript nicht. Und das Rubikon-Modell könnt ihr euch bei der Uni-Konstanz von Anja Achtziger runterladen. Aber eigentlich ist das absolut unnötig.

02 November 2006

Die TOTE-Einheit

Was ich wirklich will: Ein Telefon, ein Telefon, ein Telefon etc. pp. (!!!), INTERNET, einen dicken Mantel gegen diese eisigen Temperaturen am Bodensee, auf der Burg in Meersburg wohnen (am besten im Sterbezimmer der Annette von Droste-Hülshoff, nur ohne diese hässliche Chaise-Longue und dem mickrigen Bett. Das Zimmer wäre sogar einen Ikea-Besuch wert.), Rock'n'Roll (ganz unbedingt, ganz viel, ganz laut- um nicht wie ein Idiot alleine in meinem Zimmer auf der Stelle zu hüpfen), alle meine Freunde in Konstanz und wenn es sein muss auch bei mir in der WG, ein Waffeleisen zum Buttermilchwaffelnbacken mit Psychos und einen Sitzplatz im Bus zur Uni um 8.08 Uhr.

Aktueller Zustand des Kupferkinds: Arousal.
Warum? Weil in Psychologie Vorlesungen sog. "arousals" immer eine Rolle spielen und sich durch ihre Omnipräsenz in Kupferkindsgehirn einbrennen. Und natürlich auch weil das Kupferkind am liebsten mit Gustav, dem Schreibtisch, und seinem Laptop im eigenen Zimmer sitzen und Blogeinträge noch und nöcher schreiben würde. Und eine 50,000 Wörtergeschichte im National Novel Writing Month. Aber eigentlich klappt hier gar nichts.

Anmerkungen: Die TOTE-Einheit ist ein Begriff aus der "Allgemeinen Psychologie: Motivation" und heißt vollständig Test Operate Test Exit. Eine Erklärung notwendig? Uns wurde TOTE mit der Metapher des Cola-Automaten erklärt. Was der Cola-Automat jetzt aber wirklich darstellt, ist mir noch ein Rätsel.