Personenverzeichnis Kupferkind: Ein Entwurf/ echt unecht oder war es andersrum?/ der kleine Egoist/ das bessere Ich/ ein hirntotes Liebewesen/ die, die das schreibt/ die, die so tut, als ob sie das schreibt/ die, die nicht weiß, aber gerne wissen würde/ die- ach, lest doch selbst! Karla Kolumna: Tochter und Einzelkind der wahrhaftigen Karla Kolumna, kurz KK II. Ausbildung zur Professional-FAQ-Konzeptionistin bei Kürthy&Co. GmbH. Unbezahlt. Weitere sprechen für sich. In Posts. Manchmal.

29 Mai 2006

Fette Mücken

Shiloh Nouvel Jolie-Pitt. Schrecklich! Das klingt so buddhistisch angehaucht, intellektuell und nach Möchtegernkünstler. Man kann nur hoffen, dass das Kind einfach ganz normal wird, völlig durchschnittlich und langweilig.
Die WM nervt! Fußballnutellaglas, Fußballschirme, Fußballcountdownzähler am Hauptbahnhof, Top Ten Fußballszenen,... Wie wäre es mit Antifußpilzfußballsocken, Magnetmännchen mit Deutschlandtrikot und im Elferpack zum WM-Spielzeitenaufschreiben und Bierflaschenvorratplanen und am Kühlschrank festpinnen oder BenjaminBlümchen-Höspielkassette von der Nationalelf gesprochen.
Und es regnet. Und regnet. Und regnet. Ich habe einen neuen Schirm (er ist rot/ beige, schottisch, war heute schon bei Roya zu Besuch und wunderschön), was mir den üppigen Wasserfluss von oben etwas sympathisch macht. Aber es ist fast schon Juni, oder? Wo steckt nur der Sonnenschein? Oder zumindest die langen Hemden und Sweatshirts bei H&M?
Vom Abizeitungslayout will ich Schweigen. Kupferkind dreht kurz die Augen im Kreis, seufzt tief und denkt an die CDs für morgen.

Ein Optmist ist ein Mensch, der ohne Geld in ein Restaurant geht, Austern bestellt und hofft, von den Perlen die er darin findet, die Rechnung zahlen zu können. emotion

24 Mai 2006

Herr Shui Ta: Ein Flieger muss fliegen.


Warum ich traurig bin: Weil ich schon am Montag meine letzte, echt langweilige Mathestunde hatte. Weil ich gerade diese öden Doppelstunden am meisten vermissen werde. Weil ich jetzt zwar Brechts episches Theater "Der gute Mensch von Sezuan" kenne, aber nicht mit das-leuchtet-ein-sagenden und Schulgerüchte verbreitenden Physiklehrer in der Adria Eis essen war und auf dem Kursfoto fehle. Weil ich meine Verhaltensforschung basierend auf der Beobachtung meiner Mitschüler abbrechen muss. Weil ich keine Große Pause mehr habe. Weil das mein letzter Schultag war. Weil das nur offiziell der letzte Schultag war und somit doch noch Einiges in der Johannesstraße haust und auf mich wartet.

Was mich glücklich macht: Vor der Schule stehen, "Schule ist scheiße!"-Brüller zu hören und es richtig finden. (anbei: Richtig finden macht generell glücklich.)

18 Mai 2006

Kummerkasten basteln

Meinen Kummerkasten kann man Huckepack nehmen und sich die Füße beim in die Ferne irren wund laufen. Und wenn man dann irgendwann an ein großes Wasserbecken namens Meer kommt, setzt man den Kummerkasten ins Wasser und sich rein und paddelt übers Meer, das vielleicht doch nur ein See ist. Wenn der Horizont nur noch Wasser und Himmel voneinander trennt und man schon lange nicht mehr paddeln kann, lässt man sich im Nichts treiben. Irgendwann geht man unter. Oder verhungert. Oder verdurstet. Aber im Kummerkasten gesessen hat man dann sowieso lange genug.

09 Mai 2006

Kurzer Leerlauf, s`il-te-plaît


Letzte Klausur in meiner Schullaufbahn. Das muss gefeiert werden. Daher folgende Vorschläge:

1. Heimlich den Alkoholvorrat bei uns in der Küche plündern, in mein Chaoszimmer (viel Lernen artet bei mir immer in expressionistische Zimmergestaltung aus) verschleppen und mit mir auf mich und die Welt anstoßen.
2. Aufstehen, fünf Schritte zum Schrank, Fernbedienung herausholen, drei Schritte weiter, Fernseher anschalten, vier Schritte aus Sofa zu, um 180° drehen, sich nach hinten fallen lassen und sich frühestens um 23 Uhr wieder bewegen.
3. Bym lesen, nach Herzenslust nörgeln, schlecht machen und verreißen, emotion lesen und glücklich werden.
4. Auf dem Bett liegen, aus dem Fenster starren und träumen.
5. Spontanparty schmeißen.
Wie ihr merkt, bin ich schon ziemlich alle. Daher schließe ich strapaziöse Optionen wie Punkt1, starke körperliche Belastung, und Punkt 5, Stress pur, aus. Morgen weiteres zur Abendgestaltung im Rückblick.


Un-Wanted: Kommentare zum Thema Abizeitung, Schülerzeitung, Studienwahl und apropos Motzer und "Assozial-Sein"-er...
Buße: Ab viermal bei mir Zimmer aufräumen.

04 Mai 2006

Peter Pan, nimm mich mit.


Karla Kolumna fragt nach.
Live-Interview mit dem Kupferkind. Das Kupferkind sitzt (fast) auf dem Balkon (eine geöffnete Balkontür und milde Frühlingsluft im Wohnzimmer), die Vögelzwitschern, wie immer, sowieso unaufhörlich und so eben auch heute. Im Wind wiegt sich der frisch ergrünte Wald. "die Bäume haben jetzt ganz weiche Blätter, müsst ihr mal fühlen!", meint das Kupferkind. Man merke sich: Linder schädigt irreversibel und fragt sich, wann das Kupferkind zu Greenpeace übertritt und doch endlich sein ökoligisches Jahr macht. Und da sind wir auch schon mitten im Thema, Karla Kolumnas Fragebogen, dem Topthema des wunderbar ausklingenden Frühlings-; ja fast schon Frühsommertages.

Karla Kolumna: Die Schule ist bald vorüber. Die Zeugnisse sollen, so weit es fest steht, am 22.Juni, der Tag an dem das 44.Spiel der Fußball-WM, Kroatien gegen Australien im Gottlieb-Daimler-Stadion stattfindet, ausgegeben werden. Und, um es kurz zu machen und einen absolut abgedroschenen, unorginellen Werbeslogan zu zitieren, "Abi- und dann?", liebes Kupferkind...
Kupferkind: Meine erste Antwort auf diese Frage: Das weiß ich eigentlich immer noch nicht. Meine zweite Antwort auf diese Frage: Ich habe mir überlegt eventuell Psychologie zu studieren. Die zweite Angabe wird beziehungsweise wurde aber auch schon im ständigen Wechsel mit zuerst genanntem mit: "Medien würden mich schon interessieren", "Die Filmakademie in Ludwigsburg reizt mich schon, das Praktikum allerdings nicht" oder nichts Weiterem beantwortet.
Karla Kolumna: Sie wissen aber, dass der 22. Juni nicht mehr lange hin ist und es sich hier schließlich um eine Entscheidung dreht, die ihr Leben prägen und bestimmen wird.
Kupferkind: Das ist ja gerade das große Dilemma!
Kupferkind lässt seinen Blick über die Balkonbrüstung schweifen und verharrt in der Ich-schaue-fast-so-schön-angetan-wie-die-Frau-auf-dem-Traumschiff-am-Sonntag-Abend-im-Zweiten-die-wie-jeden-Abend-ihre-verloren-geglaubte-erste-Liebe-wiedertrifft-Position.
Eigentlich ist mein Leben schön. Ich will gar keine großartige Veränderung. Wenn man unzufrieden ist und schon ungeduldig, ja fast schon auf gepackten Koffern zu Hause sitzt und die selben Socken jeden Tag trägt und sie Abends wäscht um bei nächster Gelegenheit die Zahnbürste einzustecken und das elterliche Haus zu verlassen und in den Flieger in eine andere Welt, der Zukunft entgegen zu fliegen, der kann das Spiel von Kroatien gegen Australien kaum erwarten. Aber eigentlich ist das bei mir nicht so. Gar nicht.
Karla Kolumna: Sie sind mit ihrer Situation zufrieden? Ein Nesthocker? Ein Mamakind? Mit ihrer Regression und dem naiv-frühkindlichem Gemüt ein Leben lang zufrieden?
Kupferkind: Nein, das meine ich nicht. Und überhaupt: wie klingt das denn! Ich finde es vernünftig, toll, erstrebenswert zu flüchten, endlich selbst entscheiden zu können und alle Freiheiten der Welt zu haben. Doch vielleicht noch nicht jetzt – so früh. Am schönsten war doch der Moment, an dem man auf Hitzefrei hoffte, obwohl es das in der Oberstufe schon längst nicht mehr gibt, dem öden Matheunterricht beiwohnte und von der großen Freiheit träumte. Denn da wusste man noch nicht: was, wann und wo. Da konnte man noch alles tun – oder dachte das zumindest. Da war ein Mathematikstudium, trotz mangelndem Interesse und Begabung, nicht abwegig und der Bestsellerroman schon so gut wie ausverkauft. Nun steht man da und mekt, dass das Leben vielleicht doch nicht so großartig wird, wie man dachte. Es wird nicht mies, nein. Aber eben nicht halb so toll wie diese hunderttausend Fantasien im Matheunterricht neben der Hesseschen Noramelnform. Das ist gemein.
Karla Kolumna: Was wollen Sie nun tun? Ein stiller Protest? Das Abitur wiederholen? Ein Amoklauf? Oder sofort in die Psychatrie?
Kupferkind: Innerliche Revolte. Obwohl: das macht es schon von alleine. Noch ein bisschen Schule auf ewig. Zumindestens zwei Wochen lang. Dann sieht man weiter.
Karla Kolumna dreht sich zur Seite, studiert die unterschiedliche Schattierung der Wolkenberge und murmelt etwas vor sich hin, was die Frau, die in Steno mitschreibt, leider nicht verstanden hat.


Anmerkungen: Die Erzählperspektive ist wirr und keinen Versuch wert, sie wie die Erzählweise in der "Else" zu analysieren. Generell handelt es sich hierbei um pulp fiction, Schundliteratur, ohne der Frau, die alles in Steno mit bestem Gewissen assoziiert und ergänzt, zu nahe treten zu wollen.