Personenverzeichnis Kupferkind: Ein Entwurf/ echt unecht oder war es andersrum?/ der kleine Egoist/ das bessere Ich/ ein hirntotes Liebewesen/ die, die das schreibt/ die, die so tut, als ob sie das schreibt/ die, die nicht weiß, aber gerne wissen würde/ die- ach, lest doch selbst! Karla Kolumna: Tochter und Einzelkind der wahrhaftigen Karla Kolumna, kurz KK II. Ausbildung zur Professional-FAQ-Konzeptionistin bei Kürthy&Co. GmbH. Unbezahlt. Weitere sprechen für sich. In Posts. Manchmal.

29 August 2006

Ein Auszug aus dem neuen LangGescheidt

Nach Deutsch-Frau / Frau-Deutsch von M. Barth erscheint bei LangGescheidt: Wort-Kupferkind / Kupferkind-Wort.

Damit keine Missverständnisse entstehen: Kupferkind hält sich für weiblich, aber trotz D-F/F-D-Lexikon für unverstanden, da manche Wörter einfach schwieriger zu übersetzen sind als das es ein M. Barth, der sich wahrscheinlich eher zu dem männlichen Teil der Gesellschaft zählt, erklären könnte. Außerdem ist das W-K/K-W-Lexikon identitätsspezifisch auf das wundersame Kupferkind zugeschnitten und nur für TAG-Leser erhältlich. (Gruß an dieser Stelle an Thank you for smoking-Sneakgänger, der Film war toll trotz der Plätze in der zweiten Reihe. Aber TAG ist hier nicht Tödlich aber gut, sondern täglich aber gut Blogleser)

Zur Problemerläuterung ziehen wir das LangGescheidt-Lexikon zu Rate:
Ferien = Eine begrenzte Zeitspanne, die einem ~haber zur freien Verfügung steht. Dabei kann die begrenzte Zeitspanne jedoch so lang werden, dass ein Sommerloch (Definition: s. Blogeintrag Miss Big, 12. Juli 2006) entsteht, welches die gefühlte Länge von unbegrenzt erreicht. Verstärkt wird dieses Gefühl durch Wohnortaufenthalte, gelegentlich von Regen und lange Wartezeiten auf einen Zulassungsbescheid.
Folgebescherden sind
a) Daseins-Problematik auch Melancholie. In Adjektiven: sinnlos, grau, langweilig, ziellos.
b) Schreibblockaden. Es folgt die Einsicht unfähig zum Schreiben zu sein. Literarisches Verstummen auch Literagie genannt.
c) Kreative Zeitgestaltungskonzepte, die Zukunft haben könnten, meist jedoch nicht umgesetzt werden.

An Folgebeschwerde c) wird gearbeitet, da einem unausgebildetem Psychoanalytiker dieser Aspekt die Hauptursache für Beschwerden a) und b) zu sein scheint. Dieses Ferien-Phänomen wird vermutlich auch bei Hartz-IV-Empfängern und Rentnern diagnostiziert, was aber Kupferkinds Zustand nicht unbedingt verbessert.


Anhang: "Was zum Geier ist denn Gruscheln?" Eines der kreativen Gestaltungskonzepte des literagischen Kupferkinds. Unterhaltsame Ergebnisse unter: http://www.broedel.org/blog/articles/Gruscheln-reloaded

26 August 2006

Mit Oma im Allgäu


Zwei Stunden Autobahn. Ich am Steuer. Mamas Sonnenbrille, weil meine im Koffer unter vier Schlafanzügen (viel zu viele für eine Woche, ich weiß) liegt. Regenwasser geflutete Straßen. Landstraße. Vorbei an dem schönsten Örtchen der Welt namens "Ewigkeit". Schon vorüber.
Das Ferienhaus der Großeltern. Hecke, Garten, kleiner Waldhang, Funkloch, Terrasse. Hoffentlich Sonne - die ganze Zeit.

Abends erste Spielerunde: Uno. Familie zetert: Blöde Henne! Der ist so gehässig! Hau ihm was rein! Eigentlich gewinnt immer meine Mutter. Eigentlich verliert immer mein Opa. Eigentlich macht ihnen das Spaß.

Morgens Aufbackbrötchen und Himbeermarmelade. Reißaus nehmen vor H-Milch. Mama wandert schon. Mindestens seit einer Stunde. Einmal komme ich mit. Verliebe mich in das gekräuselte Allgäuer Kuhmaul. Bestaune, diesmal eigens mitgebracht und unter Schlafanzügen ausgegraben, sonnenbebrillt das Dunstblaue Bergspitzenpanorama. Stiere beim Wandern auf den Kieselweg, überhole "Achtung: Überholer!"-brüllende Kinderschar und identifiziere kein einziges Gewächs am Wegrand. Städter eben.

Mittags und nachmittags Essen. Viel zu viel. Wie es Großmütter gern haben. Terrasse bestuhlen und nach der Sonne Ausschau halten. Meist erfolgreich. Doch noch lesen: Montauk/ Max Frisch und Sofies Welt. Mit Opa über Günter Grass reden. Geteilter Meinung sein. Verrücktes Labyrinth spielen. Denkerfalte. Stille. Warten. Ein Zug. Erbitterte Schiebe-wegdrück-herzieh-Kämpfe. Obschon etwas Ehrgeiz, Spaß, viel Spaß. Schließlich unentschieden.
Abends schaut Oma fern. Wir mit. Oder lesen (Besonders bei: Winzerkönig, Pilcher, ...) Runde Uno.

Einmal Shoppen: so viele Schuhe! Fast mit Polizeifahndung. Einfach zu viele Schuhe. Einmal Vesperstube. Einmal Baden gehen. Einmal Eierlikörpudding. Einmal Räderkuchen.

Abfahrt. Ich fahre. Landstraße. Ewigkeit. Schon vorbei. Kein Regen. Autobahn. Verhasste Wohnmobile. Eine Baustelle. Halb acht zu Hause.

Keine Ewigkeit.



Anhang: Blog an Karlchen "Ich atme! Wieder! Endlich! Im Postkartenformat, zumindest inhaltlich!"

17 August 2006

So bleibt es beim Monolog!

"Hallo!", schreit der kleine Egoist in der Ecke. Seine Stirn zittert beim Schreien, die Lider flattern aufgeregt wie Laub im Wind. Tänzelnd. Furchtlos. Ungewiss.

Vielleicht ist gerade keine Zeit für Worte, weil schon viel zu viel gesagt wurde. Aber eigentlich ist es gerade deshalb der richtige Augenblick. Mit viel zu vielen Wörtern wird viel zu wenig gesagt, von dem es sich zu denken lohnt. Und stille Gedanken sind tote Gedanken. Oder zumindest ungehört. An sie kann man sich nicht mehr erinnern. Nicht mal verblassen können sie, da sie ja nie waren oder werden.
Manches soll aber werden - muss. Doch wer hört mich ohne unerhört zu werden? Ohne mir aus einer die Tausendundeinste Nacht zu machen? Ohne eindringlich zu referieren, was die Welt dazu sagen würde? Ohne das eigene Leben in meinem zu reflektieren und vor Spiegelreflexen den Unterschied zu übersehen, oder sogar absichtlich zu übergehen?
Versuche doch erst einmal mich zu erkennen, mich zu sehen und danach dein Urteil zu fällen, ob da nur ein Leben verträumt wird oder ein Lebenstraum Wurzeln schlägt und du ihn entwurzeln willst, weil dir dein Stamm zu hoch, die Äste zu morsch und das Laub zu grün ist.

"Hallo!", schreit der kleine Egoist. "Siehst du mich nicht?"


Gefühlte 180°/ verdrängter Gedankensprung.

03 August 2006

Roger feiert Abschied von Sandra

oder wie war das nochmal, Herr Willemsen?

"Und nein, ich werde nicht nochmal weinen."
Sarah Kuttner am 3. August 2006

Bedienungsanleitung: "Wo ist sie nochmal die blöde..." Verstimmung. Knacksen. Fingernagel auf Holz. Scharfer Zug. Verwirrung. Innehalten. Linke Hand trommelt auf die Kommode. Wühlen. Grabbeln. Schaben. Schobbern. "Ahh." Die rechte Hand fasst die Fernbedienung. Drücken Sie die Taste (Schaubild 14) und geben Sie den gewünschten Kanal ein. 15. Drücken Sie die Delete Taste. Möchten Sie MTV wirklich aus Ihrem Programm löschen? Drücken Sie Enter. Kanal 15 wurde erfolgreich gelöscht.

01 August 2006

Von wegen

Von wegen Große Freiheit und Glücksgefühle, von wegen neue Ufer, Fernweh und Abenteuerlust.
Bis jetzt durftest du noch selber entscheiden, wie etwas gemacht wird. Jetzt schüttelt man dir die Hand und lässt sie erst wieder los, wenn du von Tipps, Ratschlägen und gut gemeinten Warnungen erschlagen wurdest. "Jetzt kommt das Leben!", schreien sie. Und alles, was man Leben nennt, wird mit vor Entsetzem aufgespannten Augenlidern und zuckenden Mundwinkeln verteufelt. Plötzlich haben die ganzen Handtätschler und Gutzunicker eigene Yachten gebaut und schicken dich an ihre neuen Ufer, die am Horizont wie Steilküsten aufblitzen und weder Anfang noch Ende deines Weges beschreiben. Es schreit nun von überall her und einjeder führt dich über den Steg auf die Boote, die schaurig im Wasser wiegen und fremde Namen haben.
Eigentlich möchtest du eine eigene Yacht, denkst du. Getauft von dir. Die anderen dürfen auch zur Jungfernfahrt kommen und dir zu winken. Und wenn dir schlecht wird von dem Wiegen, sollen sie dich ans Land winken. Aber sie winken nicht, sie schreien. Sie hören nicht, sie wissen schon. Und du? Du willst deine Yacht. Aber was weißt du, welchen Namen sie tragen und wohin sie steuern soll. Das weißt du nicht.