Personenverzeichnis Kupferkind: Ein Entwurf/ echt unecht oder war es andersrum?/ der kleine Egoist/ das bessere Ich/ ein hirntotes Liebewesen/ die, die das schreibt/ die, die so tut, als ob sie das schreibt/ die, die nicht weiß, aber gerne wissen würde/ die- ach, lest doch selbst! Karla Kolumna: Tochter und Einzelkind der wahrhaftigen Karla Kolumna, kurz KK II. Ausbildung zur Professional-FAQ-Konzeptionistin bei Kürthy&Co. GmbH. Unbezahlt. Weitere sprechen für sich. In Posts. Manchmal.

30 September 2006

"Lebst du schon?"

Untertitel des Ikeakatalogs 2007. Korrektur - Korrigiert - Korrekt: "Lebst du noch?"
i. A. des Turmspringers


Kupferkind sitzt vor dem Ikeakatalog. Wieder. Kupferkind brüllt: "Ja. Ich lebe schon. Ich lebe noch. Ich habe überlebt. Ich lebe Ikea. Ich denke Ikea. Ich träume Ikea. Ich hasse Ikea." Der Nachbar mit der Kuckucksuhr klopft nun mit dem Besenstiel an die Wand. Es wurde zu laut. In seinen vier Wänden. Im EKTORP Sofa neben der NORREBO-Regalkombination in der eine SKÄMT Vase steht. Daneben die Kuckucksuhr.

Karla Kolumna sitzt in ihrem EKTORP Sofa und philosphiert. Über Ikea.


"Frag einfach Anna" beziehungsweise "Das IKEA-Interview"

Karla Kolumna: Liebes Kupferkind, Sie haben Ihr Abitur, ein WG-Zimmer und auch endlich einen Studienplatz. Sie müssen es nur noch einrichten. Sie hatten lange Zeit bis zum heutigen Tag, an dem Ihre Lieferung bestellt werden sollte. Eine Serviceleistung des IKEA-Zentrallagers. Sie hassen IKEA? Warum?
Kupferkind zieht die Augenbrauen gefärlich weit nach oben: Sagen Sie nie wieder dieses I-Wort. Nie wieder.
Karla Kolumna: Aber Sie sprechen doch auch die ganze Zeit von Ik-...
Kupferkind: Hören Sie auf! Nie wieder will ich dieses Wort hören.
Karla Kolumna: Nun, das wird Schwierigkeit machen bei einem Interview über I - ähh- Du-Weißt-Schon-Was.
Karla Kolumna dreht den IKEA-Bleistift-Stummel (eigentlich die NormIKEAstiftlänge, aber schon daher ein Bleistift-Stummel, ein kleines MachDirNotizenBlock-Zubehör, ein auf Nimmerwiedersehen in der margerineschachtelgelben PlastikIKEAtasche mit dunkelbauen Henkeln versenkbares Null Euro Kundenservicegeschenk (selbst ohne FamilyCard oder "AUSSERGEwohnLICHER DIENSTAG! - Der Feiertag für dein Zuhause"-Aktionswochentag). Super gratis, super praktisch, super Zwei-Stunden-Shopping-Accesoire um es danach im neuen DOKUMENT Papierkorb zu pfeffern.) zwischen ihren Fingern.
Nunja, ich habe vorhin zu diesem Thema recherchiert und war auch auf der Seite dieser Firma und habe Anna einfach mal gefragt: Warum hasst das Kupferkind I- also Du-Weißt-Schon-Was und sie sagte: "Unser Ziel bei IKEA ist es, Möbel die Funktionalität mit gelungenem Design vereinen, einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen. " Liegt darin der Grund Ihres Zorns?
Kupferkind schüttelt den Kopf.
Karla Kolumna sichtlich verunsichert, in Aufregung: Aber wie, aber warum - verzweifelt- warum hassen Sie dann Ikea? Wie kann man Ikea überhaupt hassen? Haben Sie Ikea schon immer gehasst?
Kupferkind hat sich nun wieder gefasst: Ich habe Du-Weißt-Schon-Was nicht schon immer gehasst. Ich habe letzten Monat sogar noch sehnsüchtig auf Du-weißt-...
atmet tief durch
auf den IKEA-Katalog gewartet. Fast hätte ich mir sogar einen "Post aus Schweden" oder "Sofas und Betten hier rein" Aufkleber auf den Briefkasten geklebt. Aber nur fast. Dann kam der Katalog. Große Begeisterung. Und ich blätterte und blätterte und blätterte. Ich fing an von meinem neuem Zimmer zu träumen. Ich ging zu Ikea, das erste mal.
Karla Kolumna: Das hört sich aber alles ganz normal an. Ihr Krankheitsverlauf ist mir dadurch noch immer nicht klar.
Kupferkind: Das war ja auch noch normal. Aber dies war erst der erste Besuch im schwedischen Bettenhaus. Dann kam die Zusage für einen Studienplatz. Eigentlich sollten die Möbel nur noch bestellt werden. Doch VIKA GRUVANs Glasplatte war mir dann zu kalt für meinen Schreibtisch. JONAS war nicht tief genug, schlappe 65 cm! -, EFFEKTIV-Tischplatten zu dünn für VIKA ANNEFORS-Fußböcke (s. S. 303 im NEUEN IKEAKATALOG 2007!), MIKAEL nur unechtes Holz. Dann kam das Bettenproblem. Zu diesem Thema sage ich nun aber nichts mehr - außer das es das variable Hin-Und-Her-mach-mich-groß-und-klein-HEMNES-Modell geworden ist. Fernsehtische.
Kupferkind schüttelt den Kopf.
Und dann war ich drei Tage dort.
Karla Kolumna ungläubig: Drei Tage?!?
Kupferkind: Drei Tage. Hintereinander. Das bedeutet: Ich weiß, wie man von der S-Bahnhaltestelle Goldberg zum IKEA in Sindelfingen gelangt (SMART-Fabrikhalle, riesen Kreuzung, Hornbach, rechts von der Fast-Autobahn entlang, Feuerwehrmänner, Irgendwo, große Kreuzung rechts, das erste IKEA-Schild -> die Rettung oder der Anfang vom Ende. Zeit: 30 Minuten. Reaktionen: "Sie wollen Zu Fuß zum Ikea?" -große Augen - " Von hier aus?"- noch größere Augen.) Ich weiß, dass Konstanz nicht zum Einzugsgebiet des IKEA in Sindelfingen gehört, sondern zum IKEA in Ulm. Wenn man lauthals seine Freundin fragt, wo denn "Der MIKAEL" steht, weise ich den Weg. Ich erkenne die IKEA-Mitarbeiter am Gesicht, nicht am T-Shirt. Ich ertrage den Ein-Euro-HotDog-Geruch am Eingangsbereich nicht mehr. Ich weiß, dass schon am Freitag in der Eingangshalle ein Schild steht, auf dem zu lesen ist "Zu viele Leute, überfüllt? Kommen Sie doch unter der Woche, von Montag bis Freitag zu uns. Ihr IKEA". Und nein, verdammt nochmal, ich will nicht unter der Woche, von Montag bis Freitag im IKEA-Haus sein. Ich will einfach nicht. Ich will einfach nie mehr...
Das Kupferkind bricht heulend im POÄNG Sessel zusammen. Karla Kolumna reicht ihr ein Taschentuch. Als sich das Kupferkind wieder beruhigt hat und zurück in seinen Sessel, Bezug ALMA NATUR, rutscht- Folgendes:
Karla Koluma: Nun müssen Sie ja nicht mehr zum IKEA. Sie haben Ihre Lieferung bestellt. Vermutlich klappt es sogar mit dem Lieferungstermin. Aber Sie werden noch einmal mit der IKEA-Philosphie konfrontiert werden und mühsam um die Ecke bohren und fehlende Schrauben suchen müssen.
Kupferkind: Oh ja, das werde ich machen müssen. Und jeden Tag mit dem Wissen aufwachen, dass ich in einem Bett liege, dass gleich hinter ROBIN für 59 Euro und den Federkernmatrazen für supergünstige 25 Euro (ein IKEA-Herzstück?) stand. Das wird hart. Aber ich habe Söt. Er hilft mir, denn ich habe ihm geholfen. (siehe "Eine Hand wäscht die andere.")
Karla Kolumna: Wer ist denn nun schon wieder SÖT? Ein Bücherregal?
Kupferkind: Nein! Söt ist ein Tintenfisch. Er lag seit dem ersten meiner drei Ikeabesuche dieser Woche in der KINDERWELT, nicht im PARADIES (da hätte er wohl schon längst eine Durchsage alla "Der kleine Söt (handgroß) möchte aus dem KINDERPARADIES abgeholt werden." gemacht), zwischen vielen anderen Plüschhaien und rot-weißen Babyfischen, die unter unmenschlichen Bedingungen zusammengedrückt in einem Verkaufskorb verstaut wurden. Er steckte in dieser Plüschtiergrabbeltonne zwischen vielen anderen Söts und wartete auf einen kleinen Jungen, der 45 Cent für einen wie ihn ausgeben wollte. Doch der kleine Junge kam einfach nicht. So packte ich ihn heute, zog ihn aus dem Plüschtiermassengrab und kaufte ihn frei.
Neben der Schreibtischlampe HUSA (mit °) lag er im Auto. Da erzählte er mir von der KINDERWELT. Ein IKEA, das selbst nachts bei dir ist und dich nicht schlafen lässt. Er erzählte von tausenden IKEA-Besuchern, die Tag für Tag an ihm vorbeirasten. Lärmend. Die Stirn glänzend vor Kaufgier und Ist-MALM-schon-vergriffen-Angstschweiß. Und überall hunderte von Söts, einer wie der andere. Eine Unmöglichkeit hier eine Identität zu entwickeln. Doch Söt schaffte es manchmal. Wenn alle anderen Söts schon schliefen, die MINNEN Wand-/ Leseleuchte (mit Spinnennetz zum Schutz vor neugierigen Kinderfingern) nicht mehr brannte und das IKEA-Laminat mit den richtungsweisenden Pfeilen ("Hier geht es zum Köttbullar essen") poliert war. Und mit dem Bewusstsein eines Ichs kam der Wunsch nach einer Welt ohne MAMMUT Kommoden und MALM Bettgestellen. Er schwor sich aus der KINDERWELT, nein, aus dem riesigen IKEA-Komplex zu fliehen. Und er floh. Heute. Aus der KINDERWELT. Aus der Warenausgabe. Aus dem Parkdeck 1. Aus IKEA. Ja, sogar aus Sindelfingen.
Und nun sitzt er neben mir - und sieht, dass nicht nur ich, sondern die ganze Welt in einem POÄNG Sessel sitzt oder am GALANT Schreibtisch fürs Abitur lernt.
Kupferkind hält kurz inne und senkt die Augen zu Boden. Dann schaut es Söt in die Augen und richtet den Blick wieder nach vorne. Es fährt fort. Fest und bestimmt.
Söt wollte sich von IKEA befreien und in die Welt. Doch in der Welt ist IKEA. Überall. Und immer. Im neuen Stuttgarter Studentenhotel oder in unserer Schulküche. In meinem alten Kinderzimmer, in meiner neuen Wohnung. IKEA hat die Weltmacht an sich gerissen. Es ist eine stille Herrschaft, eine kundenfreundliche. Aber eine mächtige.
Mit Pathos.
Und darum hat Söt eine Aktion gestartet: "Die Verdunklungsgefahr". Im neuen Kulturspiegel ziert sein Projektname das Cover (Oktober Ausgabe). Denn Söt möchte nicht nur die Kinder aus dem KINDERPARADIES befreien. Nein, die ganze Welt soll eine Durchsage machen dürfen: "Wir möchten von IKEA abgeholt werden oder holt IKEA von uns ab. Denn wir wollen kein IKEA mehr. Nie wieder"
Ich unterstütze ihn dabei. Denn er ist doch so klein und orange. Und IKEA so riesig und margarineschachtelgelb.


Du hast weitere Fragen zu Söt? Dann frag einfach Anna bei www.ikea.de

2 Comments:

Anonymous Anonym said...

Ich möchte an dieser Stelle mal erwähnen, dass ich IKEA mag und finde das IKEA gut ist.
Doch auch ich könnte von meinem Wochenende eine ellenlange IKEA-Geschichte erzählen. Wie ich IKEA-Dortmund kennenlernte (mit 120km/h durch die Gänge, weil mein Papa immer so schnell wie möglich wieder raus will), wie wir 1 1/2 Stunden versucht haben eine einzige(!!!) Schraube im Kleiderschrank VESTBY zu versenken, wie wir den kompletten Schrank vom 4.Stock Bochum zu IKEA-Dortmund zurück brachten, wie ich den 2 Menschen am Reklamationsschlater ihre Schrauben gerne ins Gesicht geschmissen hätte, wie wir noch mehr Sachen geholt haben und dann zu IKEA-Essen mussten, weil es die Tischplatte nicht gab die ich wollte, wie wir eine halbe Stunde in der Warenausgabe auf selbige warteten und 2 Gutscheine für IKEA-Kaffee bekamen, der laut meinem Vater nicht schmeckt. Wie wir uns Blasen an den Händen schraubten, Schnupfen von Sägespänen bekamen und Knie-und Rückenprobleme durch schweres in Polen für IKEA produziertes Holz.

Nein, IKEA war dieses Wochenende wahrlich nicht mein Freund. Ich hatte Wutausbrüche, Tobsuchtsanfälle, beinahe-Heulattacken, Mordgelüste und offene Blasen so wie Rückenschmerzen von IKEA. Die Hände von meinem Paps sehen noch schlimmer aus. Naja, aber am Ende....

....am Ende war mein Zimmer eingerichtet, ich hab mich plötzlich nicht mehr so fremd in Bochum gefühlt und war zum ersten Mal seit langem der Ansicht die richtige Entscheidung getroffen zu haben. IKEA ist halt eine Medaille mit zwei Seiten ;)

01 Oktober, 2006 19:06

 
Blogger verrroerr said...

meine ikea-mission: neuer schreibtisch

problem: nur rote tischbeine da, 1 weißer bock, 6 holzfarbene ohne schönen tischplatte...

lösung: nach einigen überlegungen: den esstisch BJÖRKUDDEN mit rollcontainer JONAS

so, konstanz: JONAS soll leben eingehaucht werden, aber ikea hat anstatt 24 nur 12 holzdübel und 2 schrauben zu wenig mitgeliefert (reklamation unmöglich, da keine zeit :-P)

also kupfakindsche, wenn du hilfe beim aufbau brausch, frag des zabbakuckle :-D

04 Oktober, 2006 15:35

 

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