Achtung: Diese Telenovela hat kein Happy End!
Rosamunde-Pilcher-Liebhaber und-Verliebt-In-Berlin-Fans (was im Grunde ein und dieselbe Menschenmasse ist) nicht weiter lesen. Der Text könnte die utopische Erwartungshaltung zerstören.
Ich habe eine Zahnfleischentzündung. Am Gaumenbogen ist das Zahnfleisch ganz dick geschwollen und pocht und schmerzt und - ich...
Kupferkind bricht in Tränen aus.
Karla Kolumna ist schon auf der Suche nach der Zahnfee damit sie neben dem Chlorhexamed [8,91 € in jeder gutgeführten Apotheke] (Welches hoffentlich nicht meinen Zahnlack verfärbt! Ansonsten esse ich jetzt nur noch Tiramisu mit Currywurst, trinke Kaffee, rauche Zigaretten ohne Filter, trinke Alkohol mit Fruchtsaft und schwarzem Tee, kaue Kaugummi.) alles wieder in Ordnung bringt.
Ich lese heute "Schöner Wohnen" und "Mode und Design" bei einem wirklich unersetzlichem Zahnarzt. Magengrummeln beim Wartezimmerstuhlnachbarn (So etwas ist mir immer peinlich. Sei es mein Magen im Matheunterricht oder fremde Innereien Sonstwo. Mägen sollten verstummen. Für immer. Zumindest dann, wenn sie in Gesellschaft sind.) Ich sehe Designermöbel. Ein Adjektiv: toll. Ein Sofa namens "Evening at the opera" mit pinkem Satin und Plüsch. "Print"-Sofa mit Muss-ich-unbedingt-noch-in-meine-Studentenbude-quetschen-Optik und Verdammt-noch-mal-ist-das-teuer-und-somit-unerschwinglich-Preis. Dann tänzelte plötzlich dieser Gedanke zwischen meine rechte und linke Gehirnhemisphäre und klemmte sich fest (vermutlich oberhalb des Balkens). Kurze Skizzierung des tänzelnden Gedankens: Ach, solche Psychocouch werde ich später vermutlich nicht in meine Praxis stellen können. Aber ein Mediziner bestimmt. Und wahrscheinlich nicht nur der unersetzliche Zahnarzt, in dessen Praxis ich saß und las während ein fremder Magen grummelte, sondern sogar meine Kieferorthopädin - was das Fass natürlich zum Überlaufen brachte. Und dann schlüpfte Miss-Tausend-Möglichkeiten aus meinem Gedankenorchester (wenn unverständlich, siehe Emotion August Ausgabe) und sprudelte nur so vor sich hin. Über Designen, Texten, Werben, Gestalten, Kunst machen, Kunst schreiben, Abenteuer und dem Leben. Ein Leben, das durch eine noch nicht einmal erhaltene Zulassung vermutlich schon auf dem Lebenstraum-deaktiviert-Gedankenscherbenhaufen gelandet ist. Und da war sie wieder. Die Angst vor der Vernunft. Vor der Sicherheit. Vor dem Mädchen, das doch auch so gern mal Spießer werden wollte. Miss-Tausend-Möglichkeiten eben.
Oh ich verstehe sie so gut!
Mein Leben nach dem Zahnarzttermin war eigentlich ziemlich harmlos. Miss-Tausend-Möglichkeiten war komatös; ich Bücher einräumen. Mein Arbeitskollege las meine Geburtstagsgrußkarte (Und das nicht mal diskret, sondern offensichtlich schamlos!), die 25 Kisten voller Schulbücher kamen mal wieder viel zu spät und vier Kisten stehen heute Nacht noch immer im Büro. Aber ein Baby war heute da. Mit großen blauen Augen. "Auch haben!"- Sagte zumindest Miss-Tausend-Möglichkeiten.
Im Abspann: Achtung: Diese Telenovela hat kein Happy End! Zumindest nicht für Miss-Tausend-Möglichkeiten. Und das lässt doch hoffen, liebe Pilcher-Fans.
Drehbuchregie übernahmen: Ein Fünkchen Wahrheit, der unersetzliche Zahnarzt, mein Arbeitskollege, Miss-Tausend-Möglichkeiten, das Kind, das Spießer werden wollte und Prinz Pulp von Fiction.

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