Personenverzeichnis Kupferkind: Ein Entwurf/ echt unecht oder war es andersrum?/ der kleine Egoist/ das bessere Ich/ ein hirntotes Liebewesen/ die, die das schreibt/ die, die so tut, als ob sie das schreibt/ die, die nicht weiß, aber gerne wissen würde/ die- ach, lest doch selbst! Karla Kolumna: Tochter und Einzelkind der wahrhaftigen Karla Kolumna, kurz KK II. Ausbildung zur Professional-FAQ-Konzeptionistin bei Kürthy&Co. GmbH. Unbezahlt. Weitere sprechen für sich. In Posts. Manchmal.

04 September 2008

Der Barde über seine Stadt

sich eine Stadt zu erdichten ist Schwindel
erregend

sich das Leben zu malen ist Leinwand, ist Faser, ist Acryl auf Papier
ist Frevel, ist Schwindel
erregend

ist mehr
als ich und du und wir jemals sehen werden.


in Klangfarbe ertasten, in Wörtern befühlen können,
im Traum erstarrte Reise
schickt dein Fuß dich gehen, die Welt umlaufen, ein Ich sich erspinnen, das den Äquator überschreitend in sich zusammenfällt, aus sich huscht;
totes Kokon für Träumende bleibt -

18 Mai 2008

Entscrabbeln

Vielleicht ist es Zeit für Liebe in Worten, den Vers ohne Reim,
eine Kata-Strophe.
Dem stumpfen Bläschenblasen, dem Wattestäbchen wenden und Luftschlangen
lang hauchen
ein Ende zu bereiten,
den Schlaf wach zu küssen, ihn weg zu küssen, ihn fort zu lieben.

Den Hals aus der Decke zu graben,
die Beine aufs Fensterbrett zu setzen und - Vöglein, flieg! - die Hauswand hinunter zu rennen.
Den Hermes mimenden ABC-Schütze zu spielen,
zum Schuss anzusetzen und
schon schnellt die entklausulierte
Satzverrenkung entschränkt fort in den neuen Morgen, den Mai
auf dich zu.

Geliebte Worte
kommen nie zu spät.


Prinz im verschlossenen Garten: Er ist entwischt, verdammt! Ein ausgebüchster Reiskornpicker, Baba Bhamas Barba Papa, kolonial ertränkt und zugewürgt - sie stürbt! Und das soll eine Minnegrotte sein?!

07 September 2007

Truth? by CK

Mein Gehirn ist wie unser Familienkühlschrank: es ist bis obenhin gefüllt, eigentlich enthält es alles, aber man muss sich zunächst auf die Suche machen, um fündig zu werden. Da neben dem Kühlschrank und Gehirn auch mein Zimmer dieses (Un-)Ordnungssystem aufweist, gibt es Momente.
Regentag: "Momente?"
Auf dem Sprung zum Bus. Es fehlt nur noch das Buch. Ich schaue in mein Zimmer: A plane crashed into - mein Zimmer? Nein, aber der Turmbau zu Babeln drei Sekunden nach dem Einsturz, der schiefe Turm von Pisa im Fall, eine Uniparty neben (bis auf) meinem Schreibtisch? Vielleicht liegt ein ehemaliger Mitbewohner rechts unter dem Wäschegeschwülst oder ich hatte ein Haustier, das ich in der linken Zimmerecke unter den unvollständigen Aufschrieben und Werbebriefen beerdigt habe. Eigentlich ist alles möglich. Tausend und eine Nacht müssen hier stattgefunden haben oder zumindest geschrieben worden sein. Von einem wahnsinnigen, sich Haare raufenden, buckligen Schreiber mit schweren Lähmungserscheinungen und Tobsuchtanfällen. Sonst hätte er doch die Blätter sortiert, auf einen Stapel gelegt, die Wäsche gewaschen und die Kissen aufs Bett gelegt.
Der Wahnsinnige, das bin ich. Der Erzähler flucht.
Ihr erinnert euch an das Buch? An den Bus? Ich erinnere mich daran, denn darin ist mein Gehirn Weltmeister. Ohne diese Nervenbahnen hätte ich das Abitur verträumt und die mittlere Reife im Matheunterricht verschwätzt. Ich wäre nach der Grundschule nie mehr aus den Sommerferien zurück gekehrt. Ich würde jetzt putzen. Um solchen Wahnsinnigen wie mir den Zimmerboden um 25 Zentimeter tiefer zu legen, alleine durch Bücher einräumen und Zettel stapeln.
Ihr erinnert euch an Bus und Buch? Mein Gehirn schreit gerade zu danach. Genau im richtigen...
Regentag: "...Moment."
Es ist unglaublich. Einen Tag bevor die 23 Bücher aus der Bücherei ablaufen, eine Stunde bevor die Anmeldefrist abläuft und eine Minute bevor ich den Bus verpassen würde, ist es da.
HIER - schreit mein Gehirn, das Zimmer und der Zufall zeitgleich.
SO ETWAS GIBT ES NICHT oder zumindest viel zu oft, schreit die Statistik. Aber in solchen Momenten interessiert einen die Statistik nicht (eigentlich interessiert sie einen nie, aber in dieser Situation ist die Abneigung noch offensichtlicher und stärker als sonst). Man schnappt das Glück und eilt mit der Fackel ins Ziel, kurz vor knapp bis kurz nach knapp. Aber da gibt es ja immer noch denjenigen, der ein Auge zudrückt. Der dahinter drückt beide Augen zu. [...]
(Einführung in "Das Leben nach unserem Familienkühlschrank")

Kupferkind sieht vom Buch auf und wirft die Stirn in Falten. Es möchte gerade die Stimme gegen den Chaos Kult erheben, als Regentag
"Die Linie ist gottlos."
spricht.
"Darf ich trotzdem einen Strich ziehen?", murmelt das Kupferkind.


Anmerkung: Chaos Kult = kurz vor knapp; CK

23 August 2007

She did it

sagen sie. Dabei strecken sie ihren Nacken, sodass ihr Kinn auf das Schlüsselbein rutscht und sich ihre Augen wie im Schreck zu großen, pulsierenden Kreise weiten. She`ll make it, sagt eine im Schatten versinkende Gestalt. Die paarigen, von Augenweiß umgebenen Pupillen flackern. Die unbekannte Gestalt streckt die Hand ins Feuer ungläubiger Blicke: bereit die Hitze zu spüren, den Blasenwurf der Haut zu beobachten, zu brennen, lichterloh, Feuer und Flamme zu sein, solange das Brennholz reicht.


43,27 € Bußgeld für Kinnaufstützer und Stirnfaltenverleger § 2402 des SSGB
Als der erste Zweifel kam, setzte sich ein Marienkäfer ans Straßenbahnfenster und kletterte senkrecht die Scheibe empor, dem Himmel entgegen, der Zukunft ins Gesicht.

24 Juli 2007

Machbänder flechten

Man sollte immer summen.
Es geht um kreatives Chaos, das uns zufrieden macht, weil wir uns darin erkennen.
Die Bart, die.
Gestern in Freiburg: "Sind Sie hier bekannt?"

Untertitel: NoNames unter sich.

18 Juli 2007

Die geheime Identität des Professors Ong

Wir trafen Professor Ong an einem Mittwochmittag im Julei vor den Treppen zur Bibliothek, rechts von der männlichen Holzkopfskulptur, die eigentlich aus Schaumstoff ist, seit der Exzellenzintitiative entstaubt, vermutlich auch entkeimt ist und durch die Oberflächenverarbeitung die Anmut einer Schnitzfigur des Erzgebirges erntete. Frontal der weibliche Kopf. Man nennt den Ort auch Unistrich, aber dieser Ortsname würde nur für Verwirrung sorgen. Wir trafen Professor Ong.
Aus rechtlichen Gründen und zum Personenschutz wurde der Name der Person abgeändert, um die geheime Identität des Professors Ong zu schützen. Schließlich ist seine Privatklinik am Bodensee, direkt am Unistrand und durch einen Geheimgang vom Semesterapparat der Universitäts-Bibliothek zugängig, nur in Fachkreisen bekannt. Das Angebot zur Okzipitallappenvergrößerung, Amygdalakorrektur (für männliche Beziehungsidioten) oder pituary gland-, auf Deutsch Rotzdrüsen-Verschönerung ist im gesamten europäischen und nichteuropäischem Raum einmalig. Das die Elite der HiWis der Biologischen Psychologie und Sozialpsychologie hier einige ihrer Arbeitsstunden zur sogenannten "Datenauswertung mit SPSS" verbringen ist Ehrensache. Die Reputation des Professor Ong, der nach seinem Studium der Medizin in California in "Psychosomatischer Brustvergrößerung" promovierte, ist mittlerweile ein angesehener Dozent im Fachbereich der Psychologie, der in seiner verbleibenden Freizeit in seinen weißen Kittel schlüpft und Wunder biopsychiologischer Natur vollbringt. Erst vor kurzem gelang ihm eine Rückenmarkstransplantation in den Ringfinger einer Patientin, die ihre dadurch ausgehöhlte Wirbelsäule mit nach Nissl angefärbten Sternenzellen füllen ließ, berichtete er uns.

Professor Ong ist der George Clooney der psychiatrischen Fachabteilung. Seine Veröffentlichungen in der psychologischen Fachpresse wie "Neurotransmitter intern", "Interneuronale Kommunikationsblockade nach Golgi" oder auch "Men`s Health" zeigen signifikant höheren Absatz, wenn statt eines EEG-Wellenmusters ein Portraitbild von Professor Ong im Profil abgedruckt wird. Eine interne Studie seines Lehrstuhls ergab, dass die Fotos von Dr. Ong dreimal länger angeschaut wurden als das EEG-Wellenmuster, wenn die Versuchsperson weiblich war. Für männliche Versuchspersonen konnte kein signifikantes Ergebnis in der Ansehdauer des Portraitfotos im Vergleich zum EEG-Wellenmuster festgehalten werden, allerdings war ein Valenz-Arousal-Wert männlicherseits zu erkennen, welches als Wut-, Angst- oder sogar Neidreaktion gedeutet werden könnte. Doch selbst nach den Ergebnissen dieser Studien trägt Professor Ong seinen goldenen Ehering mit Stolz. Die Identität seiner Frau hält er jedoch geheim, um sie vor der Misgunst eifersüchtiger Psychologiestudentinnen zu schützen.

Nach einem Angebot eines regionalen Radiosenders spielt Dr. Ong mit dem Gedanken die Aufzeichnung einer wöchentlich ausgestrahlte DokuSoap der Universitätsklinik am Bodensee zu gestatten. Nachdem eine andere bekannte deutsche Klinikserie von dem Angebot hörte, drohte sie Professor Ong in einem Eilschreiben mit einer Millionenklage. Ab Anfang August sollte eine andere bekannte deutsche Klinikserie als Hörbuch mit Kommentaren der Schauspieler aus Scrubs, die genötigt wurden sich alle bisherigen Sendungen anzusehen, erscheinen. Die Macher der anderen bekannten deutschen Klinikserie in angrenzender Region fürchten nun, dass die DokuSoap unter dem Name "Pimp your Zellverbund" den Absatz des 17-stündigen Hörbuchs so stark gefährden könnte, dass die Darsteller der anderen deutschen bekannten Klinikserie die Produktionskosten aus eigener Taschen zahlen müssten. Daher ist es noch fraglich, ob "Pimp your Zellverband" mit dem Untertitel "Parietal amnesierte Schwestern im See" ab den Semesterferien im Radio zu hören ist.

Professor Ong möchte ansonsten die Dialoge, vor, während und nach der OP von Studenten der Neueren deutschen Literatur im Rahmen eines Seminars "Steno: früher und heute" mitschreiben lassen und inklusive seiner eigenen wöchentlichen EOG-Messungen während des REM-Schlafs in einer gelben Buchreihe veröffentlichen. Dabei lässt der Verlag Dr. Prof. Ong alle Gestaltungsmöglichkeiten offen. Die Marketingabteilung rät jedoch, statt des Ortsplans der Klinik, ein Profilbild des Professors auf das Cover des Buches zu drucken. Die Marketingabteilung besteht zu 92% aus Frauen.