Mein Gehirn ist wie unser Familienkühlschrank: es ist bis obenhin gefüllt, eigentlich enthält es alles, aber man muss sich zunächst auf die Suche machen, um fündig zu werden. Da neben dem Kühlschrank und Gehirn auch mein Zimmer dieses (Un-)Ordnungssystem aufweist, gibt es Momente.
Regentag: "Momente?"Auf dem Sprung zum Bus. Es fehlt nur noch das Buch. Ich schaue in mein Zimmer:
A plane crashed into - mein Zimmer? Nein, aber der Turmbau zu Babeln drei Sekunden nach dem Einsturz, der schiefe Turm von Pisa im Fall, eine Uniparty neben (bis auf) meinem Schreibtisch? Vielleicht liegt ein ehemaliger Mitbewohner rechts unter dem Wäschegeschwülst oder ich hatte ein Haustier, das ich in der linken Zimmerecke unter den unvollständigen Aufschrieben und Werbebriefen beerdigt habe. Eigentlich ist alles möglich. Tausend und eine Nacht müssen hier stattgefunden haben oder zumindest geschrieben worden sein. Von einem wahnsinnigen, sich Haare raufenden, buckligen Schreiber mit schweren Lähmungserscheinungen und Tobsuchtanfällen. Sonst hätte er doch die Blätter sortiert, auf einen Stapel gelegt, die Wäsche gewaschen und die Kissen aufs Bett gelegt.
Der Wahnsinnige, das bin ich.
Der Erzähler flucht.Ihr erinnert euch an das Buch? An den Bus? Ich erinnere mich daran, denn darin ist mein Gehirn Weltmeister. Ohne diese Nervenbahnen hätte ich das Abitur verträumt und die mittlere Reife im Matheunterricht verschwätzt. Ich wäre nach der Grundschule nie mehr aus den Sommerferien zurück gekehrt. Ich würde jetzt putzen. Um solchen Wahnsinnigen wie mir den Zimmerboden um 25 Zentimeter tiefer zu legen, alleine durch Bücher einräumen und Zettel stapeln.
Ihr erinnert euch an Bus und Buch? Mein Gehirn schreit gerade zu danach. Genau im richtigen...
Regentag: "...Moment."Es ist unglaublich. Einen Tag bevor die 23 Bücher aus der Bücherei ablaufen, eine Stunde bevor die Anmeldefrist abläuft und eine Minute bevor ich den Bus verpassen würde, ist es da.
HIER - schreit mein Gehirn, das Zimmer und der Zufall zeitgleich.
SO ETWAS GIBT ES NICHT oder zumindest viel zu oft, schreit die Statistik. Aber in solchen Momenten interessiert einen die Statistik nicht (eigentlich interessiert sie einen nie, aber in dieser Situation ist die Abneigung noch offensichtlicher und stärker als sonst). Man schnappt das Glück und eilt mit der Fackel ins Ziel, kurz vor knapp bis kurz nach knapp. Aber da gibt es ja immer noch denjenigen, der ein Auge zudrückt. Der dahinter drückt beide Augen zu. [...]
(Einführung in "Das Leben nach unserem Familienkühlschrank")Kupferkind sieht vom Buch auf und wirft die Stirn in Falten. Es möchte gerade die Stimme gegen den Chaos Kult erheben, als Regentag
"Die Linie ist gottlos."spricht.
"Darf ich trotzdem einen Strich ziehen?", murmelt das Kupferkind.
Anmerkung: Chaos Kult = kurz vor knapp; CK